Erinnerungen an die Unwägbarkeiten beim Fotografieren mit Film ("Analogfotografie")
Ich fotografiere seit 2005 nur noch digital. Bevor ich die vorhersagbaren und unvorhersagbaren Probleme des Fotografierens mit Film vergesse, schreibe ich auf, welche ich hatte oder sich bei anderen ergaben.
Mir bereitete das Fotografieren mit Film viel Spaß, aber die Wahrscheinlichkeit, gute Bilder zu fotografieren, sind mit der Digitalfotografie höher. Wer noch nie auf Film fotografierte, soll dies gerne nachholen, besonders selbst Entwickeln und Vergrößern kann faszinierend sein. Vielleicht hilft dieser Artikel, einige der Probleme zu umschiffen.
- Filme sind mechanisch empfindlich. Sie können bereits vor dem Fotografieren beschädigt werden. Einmal gelangten vermutlich Sandkörner in den Filz des Austrittsschlitzes einer meiner Filmrollen und der gesamte Film hatte tiefe Kratzer, die auf den Dias und Vergrößerungen als durchgehende Striche erschienen. Auch bei der Entwicklung wurde mir Filme zerkratzt und eingerissen.
- Die Transportmechanik könnte nicht richtig arbeiten. Meine Lieblingskamera schaffte es nicht, die Abstände zwischen den einzelnen Bildern gleich groß zu halten. Manchmal war nur ein hauchdünner schwarzer (Diafilm) oder transparenter (Negativfilm) Balken zwischen zwei Bildern, manchmal ein zu dicker. Filme wurden von den Entwicklungs-Labors in Streifen zu 5 oder 6 Bildern geschnitten. Unregelmäßige Abstände zwischen den Bildern können dazu führen, dass sie nicht in der Mitte der Balken geteilt werden, sondern innerhalb des Bilds. Pro Streifen sind dann ein bis zwei Bilder defekt. Ich ließ nach dieser Erfahrung Filme gar nicht mehr vom Labor schneiden, sondern erledigte dies selbst.
- Ist der Film nicht richtig eingelegt, wird er vielleicht nicht transportiert. Alle Bilder, die dann vermeintlich belichtet wurden, existieren nicht. Ich achtete stets darauf, dass sich die Rückspulkurbel drehte, wenn ich den Filmtransporthebel betätigte und blieb zum Glück davon verschont.
- Wird die Kamerarückwand geöffnet, während der Film eingelegt ist, sind mit etwas Glück ein paar Bilder unbrauchbar, da stark überbelichtet, mit Pech alle bisher fotografierten.
- Bei jedem Filmwechsel ist in der Kamera und / oder am Handbelichtungsmesser zu prüfen, ob die richtige ISO-Zahl (DIN) eingestellt ist. Das habe ich einmal versäumt. Zum Glück fiel mir das auf, bevor ich den Film zum Entwickeln gab und forderte deshalb eine Push-Entwicklung an - eine mit der zu hoch eingestellten ISO-Zahl. Die Qualität litt darunter, aber die Bilder waren richtig belichtet. Wird das vergessen, ist der gesamte Film fehlbelichtet. Moderne Analogkameras stellten bei Filmpatronen mit DX-Code die ISO-Zahl automatisch ein.
- Außer beim Selbst-Entwickeln, das etliche Fallstricke enthält, die hier nicht beschrieben werden, wird der Film an ein Labor geliefert, das diesen entwickelt und Vergrößerungen anfertigt und wieder zurückschickt oder an ein Geschäft liefert, wo der Film hingebracht und abgeholt wird. Auf diesem Weg kann der Film nicht nur beschädigt werden, sondern verloren gehen, was einen Totalverlust aller Bilder bedeutet. Mir ist das einmal passiert. Es gibt auch Verwechslungen, sodass man Bilder von Fremden erhält statt seine eigenen.
- Einmal wurde einer meiner Filme in einem falschen Prozess entwickelt, obwohl das in diesem Fall nicht so einfach war, da es sich um einen Kodachrome handelte, der mit speziellen Entwicklungstüten ausgeliefert wurde, die nur ein einziges Labor in Deutschland entwickelte. Alle Bilder hatten einen starken Farbstich. Es können auch Negativfilme wie Diafilme entwickelt werden und umgekehrt oder während der Entwicklung geschieht ein Fehler wie zu lange oder kurze Dauer oder es werden falsche oder abgelaufene Chemikalien benutzt oder mit zu hoher oder zu niedriger Temperatur entwickelt.
- Negative und Diapositive können nicht ohne Verlust dupliziert (kopiert) werden: Farben, Schärfe und Kontrast sind in der Regel schlechter / ungünstiger als im Original und es fehlt ein Stück von den Rändern. Für jede Vergrößerung, für die der Film oder das Dia an ein Labor geschickt wird, würde man am liebsten nur ein Duplikat benutzen. Dann ist aber die Bildqualität schlechter. Gebe ich das Original außer Haus, kann es anschließend beschädigt sein. Ich hatte schon zerschnittene und mit Fingerabdrücken übersäte Dias zurückbekommen. Wer Duplikate nicht selbst anfertigt, sondern das von einem Labor erledigen lässt, hat wieder das Problem, dass beim Duplizieren die Originale beschädigt werden können oder verloren gehen.
- Jeden Fehler, den ich beim Belichten oder Gestalten des Bilds begehe, sehe ich erst nach der Entwicklung, was Tage bis Wochen dauern kann. Meist lässt sich ein Fehler dann nicht mehr korrigieren oder ich weiß nicht mehr, was ich falsch machte.
- Das Fotografieren mit Film ist teuer. Vor allem in jungen Jahren konnte ich nicht viel üben, was Voraussetzung zur Verbesserung ist. Dies und die fehlende sofortige Rückmeldung erschweren es erheblich, schnelle Fortschritte zu machen und bessere Bilder.
Hier sind die häufigsten Unwägbarkeiten beschrieben, es gibt noch mehr, ebenso wie es auch einige in der Digitalfotografie gibt, nur weniger. Wer mit Film fotografieren will, fährt am besten, wenn er diesen selbst entwickelt und vergrößert und dabei achtsam vorgeht. Das kostet viel Geld, kann aber auch viel Spaß bereiten. Bessere Resultate wie in der Digitalfotografie wird man nicht erzielen, aber andere, die ihren eigenen Charme haben können.
, 09.03.2024.